Fidohistorisches :
Grundsätzlich ist FidoNet ein privates, internationales Rechnernetzwerk,
das derzeit aus ungefähr 30000 Rechnern (Nodes) besteht.
Prinzipiell handelt es sich dabei um eine Store & Forwarding Technologie
(wie beim Usenet), das heisst es muß keine ständige Verbindung
(so wie dies beim Internet der Fall ist - zumindest zwischen den Internet-Hosts)
zwischen den Rechnern vorhanden sein, sondern es wird nur zeitweise (meist
in der Nacht, wenn das Telefonieren billiger ist) eine Verbindung zwischen
einigen dieser Rechner aufgebaut (meist mit Modem über das normale
Telefonnetz), um dann möglichst rasch die zu übertragenden Daten
weiterzuschicken.
Das FidoNet stellt hauptsächlichen die beiden Dienste Net-Mail
(e-mail) und Echo-Mail (News) zur Verfügung.
Weiters sind auch noch Filerequests (ähnlich ftp) möglich,
wobei es dabei allerdings erforderlich ist, direkt beim anbietenden Node
anzurufen - routed Filerequests sind nicht möglich. In einigen FTS-Dokumenten
(FidoNet Technical Standard) ist beschrieben, wie die Verbindung zwischen
zwei Fido-Nodes aufgebaut wird und wie der Mail-Transfer abläuft.
Darüber hinaus legen diese Dokumente auch noch fest, wie Echo- und
Net-Mail zu verarbeiten (das heisst zu routen) sind. Allerdings muß
dazu noch gesagt werden, daß die Standard-Dokumente nicht mehr zeitgemäß
sind - es wird z.B. noch von Modemübertragungsraten von max. 2400
Baud ausgegangen. Daher gibt es aufbauend auf FTS auch noch sogenannte
FSC-Dokumente, die einen Standard-Vorschlag enthalten - in der Praxis sind
diese Dokumente mit dem Wissen, welche davon wirklich verwendet werden,
von größerer Bedeutung als die veralteten Standards.
Es werden aber durchaus sämtliche modernen Standards der Datenfernübertragung
inkl. ISDN sowie TCP/IP benutzt.
Geschichte des FidoNet
Im Frühjahr '84 wurde es vom heutigen Apple-Programmierer Tom Jennings
und einem Freund gegründet. Zwei Monate später war es bereits
auf 60 Rechner angewachsen. Irgendwann in diesen Jahren wurde auch eine
noch heute gültige Policy verabschiedet, zuerst P 4.0, dann P 4.01
und die immer noch aktuell, angeblich :-) gültige P
4.07...Genaueres ist hierzu leider nicht mehr verfügbar, da sehr
viele Nodes aus dieser "Urzeit" des Fidos nicht mehr existieren.
In Deutschland wurde Fido in den Jahren 1986 / 1987 mehr und mehr verbreitet,
seine grösste Zahl an Nodes wurde gegen Ende 1992 mit ueber 20000
Systemen alleine im deutschen Raum erreicht. Seither geht es dank Internet
& Co langsam aber stetig wieder auf einen administrierbaren Level herunter.
Kritiker dieses Prozesses nennen das "Gesundschrumpfung", man kann
es aber auch als ein überkommenes "Anklammern" an Policies sehen,
die für einen anderen Kontinent und in einer anderen Sprache und in
einer anderen Zeit geschrieben wurde.
1993 kam es zum grössten Unfall in der Fido-Geschichte der noch
heute "Nachbeben" zeigt. Eine kleine Scharr herrschsüchtiger Coordinatoren
mit voller Deckung von
Oben zog den Putsch durch ohne darauf Rücksicht zu nehmen, das
es Urlaubszeit war, und sehr vielen Sysops Mehrkosten in nicht unbeträchtlicher
Höhe entstanden.
In diesem Putsch wurde R24 neu geografisch aufgeteilt, "Geonetze" die
ganze Bundesländer umfassten entstanden, neue Strukturen wurden von
heute auf morgen
aus dem Boden gestampft. Darauf hin teilte sich R24 in zwei Fido-Teile,
"Classic" und "Light", die lange Zeit um einen Kompromiss ringten. Dieser
Kompromiss brachte
1996 (3 Jahre nachdem der Putsch durchgezogen wurde) die heute für
die R24 gültige Regpol 1.00 hervor, die
mit einer überwältigenden Mehrheit der abgegebenen
Stimmen in Kraft gesetzt worden ist durch den damaligen RC Detlef Nick.
Seither wird in Fido erfolglos darum gestritten, ob den die Regpol
gültig sei oder nicht, weil ihr der letzte "Segen" fehlt, die Absegung
durch den bis 1998 nicht vorhanden
IC (International Coordinator, ein Pöstchen mit viel Namen aber
ohne reale Wirkung, den Arbeiten wie Nodediffs erstellen, Nodelisten erstellen
etc. macht die
darunter liegende ZC (Zone-Coordinator) Schicht. Man mag über
solche Streitereien lächeln, aber das kann man nur verstehen, wenn
man schon einige Zeit in Fido
ist, und eine gewisse Abgebrühtheit erreicht hat.
Technischer Aufbau von FidoNet
FidoNet ist unterteilt in Zones, Regions, Networks und Nodes. Eine FidoNet-Zone ist einem Kontinent, eine Region einem Land bzw. einem Staat und ein Network einem Bundesland oder einem Bezirk gleichzusetzen. Die kleinste Einheit von FidoNet sind die einzelnen Rechner, die FidoNet-Nodes. Jeder dieser Nodes hat eine eindeutige numerische Bezeichnung, eine "Matrix-Adresse".
So sehen verschiedene Matrix-Adressen in voller Schreibweise aus:
1:135/20.0, 2:24/0.0, 3:748/56.0, 4:61/12.0, 2:2471/1020 (unter der sie mich im übrigen auch erreichen)
Das allgemeine Format ist Zone:Network/Node.Point. Derzeit sind in der
FidoNet-Topologie Zone 1 (USA), Zone 2 (Europa), Zone 3 (Australien), Zone
4 (Südamerika),
Zone 5 (Südasiatischer Raum) und Zone 6 (Afrika) definiert.
Man sollte ehrlicherweise dazusagen, das in letzter Zeit die Zonen
5 und 6 sehr inaktiv sind, mit zum Teil
noch 3 gelisteten Nodes, wobei nicht zweifelsfrei feststeht, ob das
nicht Faxgeräte und dergleichen sind....Aber Maßnahmen zur Bereinigung
der Nodeliste wurden
ergriffen, alleine am Ergebniss mangelts :-).
Zones bestehen aus Regions, Regions bestehen aus Networks, die von Nodes
geformt werden. Zone-Nummern sind immer einstellig, Region-Nummern zweistellig,
Network-Nummern in der Regel drei- oder vierstellig. Nodenummern können
bis zu fünfstellig sein. Ein Node ist immer gleichzeitig "Point Null".
Lösen wir also einmal probeweise die Adresse 2:2471/1020.0 auf.
Mein System ist unter der Zonen-AKA 2 zu erreichen, wird der Region
24 (Deutschland) zugeordnet und ist im Netz 2471 (was für
die Vorwahl des Grossraum Stuttgart
(071 - 079) steht) als die Nodenummer 1020 untergebracht. Andere Regionen
sind zum Beispiel Österreich mit der 31, oder auch Belgien mit der
22. Wenn sie nun an
meinen Rechner angeschlossenen System erreichen wollen, so finden sie
diese unter den "Point-Akas", also z.b. unter 2:2471/1020.99 .Diese Systeme
nehmen wie
normale Fido-Nodes an Fido teil, verwenden die gleiche Software, nur
sie sind im Gegensatz zu Fido-Nodes nicht 24 Std (Crashmail-Fähig)
erreichbar, sondern nur
über den Routingweg.
Weiterhin gibt es noch den Sonderfall ZMH-Node, was nichts anderes
bedeutet, das dieses System zur "Zone-Mail-Hour" erreichbar sein muss,
diese ist in R24 von
02.00 Uhr bis 04.00 Uhr, damit man die Kisten nicht wegen Sommer/Winterzeit
umkonfigurieren muss :-)) Zu anderen zeiten dort angerufen kann es
ihnen durchaus
passieren den Anrufbeantworter oder das Faxgerät an den Hörer
zu bekommen.
Zur technischen Weiterentwicklung sei gesagt, das es mittlerweile Techniken
gibt, Fido over IP (FOIP) zu betreiben, sodass man auch eine bereits bestehende
Standleitung
oder eine andere Verbindung ins Internet nutzen kann, um seine FidoMails
zu erhalten oder zu versenden. International sind diese Verfahren schon
seit längerem im Einsatz
um die Kosten für die einzelnen Sysops zu senken.
Es gibt dabei mehrere Verfahren. Eins der Verfahren beruht darauf, das
die Fidomail mit uucode/uudecode ins Mime-Format gewandelt wird, und an
eine Email als
Attach angehängt wird. Dieses Verfahren ist völlig transparent,
und erfodert nur einen Email-Client der automatisch Attaches handeln kann.
Weiterhin ist dieses Verfahren
auch für unterschiedliche Hardwareebenen und Softwareplattformen
transparent, man kann sich sogar seine Email via .forward an einen beliebigen
Ort dieser Welt
via sendmail schicken lassen :-)))
Ein weiteres Verfahren ist die direkte Erreichbarkeit via IP, die allerdings
ein Callback ihres Providers oder eine Standleitung vorraussetzt. Dabei
werden in der
Hauptsache 3 weitere Übertragungsverfahren (ifcico/binkp oder
Argus ) benutzt. Alle Verfahren sprechen direkt die TCP-Ports ihres
IP-Stacks an, und sind dementsprechend Systemdämons. Auf die darauf
aufsetzende laufende "Verbindung" findet dann ein normaler Fido-Handshake
statt, der einzige Unterschied zur
üblichen "Direktverbindung" ist der darunter liegende Layer der
auch übers Internet stattfinden kann. Damit lässt sich dann eine
vorhandene Standleitung gut ausnutzen,
und je nachdem wie sie angebunden sind kann das durchaus günstiger
sein, als via Telekom und Co. .
Sehen sie hierzu auch für weitergehenden Informationen auf die
Seiten meines Sysopskollegen Lothar Behet
der sich sehr tiefgehend mit dieser neuen Art der
Datenübertragung beschäftigt, und Ihnen, wenn gewünscht
sicherlich auch Links für FOIP anbieten kann.
Software und Link-Sammlung
Es gibt Fido-Software für fast jedes übliche Betriebssystem,
mit der Husky-Site auch für Unix/Linux. Ebenso gibt es Software die
unter der GPL vertrieben wird,
und ihnen ausser den Downloadkosten keinerlei Kosten verursacht bis
hin zu "moderat" teurer Pay-Software die durchaus im semiprofessionellen
Bereich
anzusiedeln ist (u.a. Remote Access (Multiline-BBS-Programm mit bis
zu 255 Lines, Frontdoor (einer der bekanntesten FidoMailer, nun auch y2k
fähig) ).
Die Ausbaumöglichkeiten der Software ist faktisch unbegrenzt,
dies geht mit der geeigneten Software bis hin zu einer BBS die sie mit
ihrem normalen
Internetdialer und HTML erreichen können.
Fido ist allerdings auch ein Paradies für Anhänger "freier"
Software, als erstes wäre hier das Binkley
XE Projekt zu nennen, auch einer der Fido-Mailer schlechthin,
für OS/2 ebenso wie für Linux erhältlich ebenso der
volle Source-Code als auch eine Windows95/98/NT Version.
Für Linux/Unix ist die schon erwähnte
Husky-Site zuständig die auf einem zentralen Konfigurationsfile
für den Fido-mailer, den Tosser, den Mesasage-Reader und
weitere Utliities für den reibunglosen Betrieb eines Fido-Nodes
erforderlich ist, aufbaut. Davon gibts bei Matthias
Düsterhöft für die aktuellen Linux-Distributionen
von Suse auch fix und fertige
rpm´s sodass sich der Installationsaufwand auf das einspielen einiger
kleiner rpm´s und das editieren eines Konfigfiles beschränkt.
Ein weiterer Mailer für Linux ist der bereits schon erwähnte
ifcico der sich sehr
gut als Systemdämon unter Linux einpassen lässt, dieser Mailer
nimmt eingehende
Anrufe über mgetty entgegen, sodass einer Mehrbenutzung dieses
Porst durch Fax oder PPP-Einwahl ermöglicht wird. Allerdings wird
dafür ein etwas
modifizierter mgetty benötigt, saugen sie sich eine neuere Version
von mgetty und komplieren sie mgetty mit der Option -DFIDO -DAUTOPP (im
Makefile zu ändern)
selbst.
Eine weitere Anlaufstelle für Fido-Software im Internet ist unter
www.fidonet.org zu finden, dort
finden sich auch weitergehende Links für DOS-Software etc.
Begleitenden Informationen
| Beschreibung des downzuloadenden Files | Download |
| Regpol 1.0 Aktuell in R24 gültige Policy | Regpol 1.0 |
| Policy 4.07 (englisch) Aktuelle internationale Policy | Policy 4.07 |
| Das Fido-ABC von Andy Kreuzer, erklärt die wichtigsten Begriffe etc. | FIDO-ABC |
| Englische Fido-Howto für Einsteiger und Fortgeschrittene | Big-Dummies |
| Kleine Emonitics-Howto | Emontics |
| Weltweiter Fido IP Backbone | Weltweiter IP-Backbone |
Der Download tut prima wenn Sie "Save Link as" bzw. "Speichere Link unter" anwählen !
Famous Last Words
Lassen Sie sich nicht ermutigen, es lohnt sich "Fido" zu betreiben,
auch wenn es sich manchmal nach aussen hin als einen "Verein der
Schrebergärtner" der DFÜ-Szene
gibt. Viele wunderbare Menschen habe ich im Laufe von 8 Jahren "Fidokarriere"
kennen - und schätzengelernt, es sind durchaus auch Freundschaften
über die
Kontinentgrenzen hinaus entstanden, die früher via Fido-Netmails
aufgebaut wurden, und heute halt via Emails aus Kostengründen laufen.
Sie werden vorallem feststellen, das Fido im Vergleich mit den hiesigen
Online-Gebühren sehr günstig abschneidet, und dank Crashpolling
(Fido-Netmails werden direkt nach dem Empfang "crash" dem jeweiligen Empfängernode
zugestellt) die Maillaufzeiten sich im Bereich der Email-Laufzeiten bewegen.
Stellt ja heute im Zeitalter
von sekundengenau abrechnenden Telekomprovidern wie Teldafax kein Problem
mehr dar.
In gewissen Grenzen kann man auch PGP-verschlüsselte Emails routen
lassen, was aber im allgemeinen nicht gerne gesehen wird, weil das Netz
aufgrund der Initative
des einzelnen Nodes betrieben wird, und keine grossen Firmen als Sponsoren
dahinterstehen, man möchte damit (imho zurecht) Filetransfers über
mehrere Nodes hinweg
unterbinden, wovon nur einer profitiert, und zig anderen Nodes die
solche Mails routen ,Kosten verursacht.
Bei Fragen zu Fido, vielleicht auch zu Fragen "Wie richte ich einen
Pointzugang" ein, stehe ich jederzeit zur Verfügung, sie können
mich unter meiner Email-Adresse
anschreiben, oder sie können mich auch über meine Fido -
und Othernet Adressen erreichen.
| FidoNet - AKA 2:2471/1020, Jochen Weihgold | Datenübertragungsnormen : |
| TextNet - AKA 85:200/0, Jochen Weihgold | V22 - V34, 16k8, 19k2, Fax, V90 Server, X75, channelbundling, V42b/MNP |
| BikeNet - AKA 168:4900/819, Jochen Weihgold | ++49 - 711 - 1386927 24 Stunden/Tag ausser ZMH 02.00 Uhr - 04.00 Uhr |
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